Die große Orgel

von St. Ludger 
( aus der Festschrift zur Orgelweihe der Orgel der kath. Pfarrkirche St. Ludger, Duisburg- Neudorf. Die Weihe fand am Sonntag, dem 29. Oktober 2000 statt.) 

      

Eine achthundert Jahre

alte Idee, Theologie in Stein, das Credo als Kathedrale realisiert: die neugotische Kirche in Duisburg- Neudorf. Das Bestreben der gotischen Architekten war, die Visionen aus der geheimen Offenbarung in genauso visionäre Bauwerke umzusetzen, das himmlische Jerusalem.

Die Geburtsstunde

der Gotik war jedoch eine Zeit, in der es noch keine (grossen) Orgeln gab. Das grosse Fenster im Westwerk oder im Querhaus, die filigrane Architektur des Triforiums, Chorschranken und Lettner, all dies bereitet Orgelbauern und Denkmalschützern Kopfschmerzen. Auch in der Ludgerikirche musste das grosse Fenster über dem Portal zugemauert werden, damit damals (1940) die erste grosse Orgel gebaut werden konnte.
Eine Orgel, die mit 80 Registern und 4 Manualen zwar den Wünschen des damaligen Organisten Karl Leroch und seines Dienstherrn Pfr. Konrad Thielen entsprach, aber selbst für eine Kirche mit den kathedralen Ausmassen, wie sie St. Ludger nun einmal hat, deutlich überdimensional war. Aber die Freunde im “ himmlischen Jerusalem ” hielt auch nicht lange an.
Im Krieg 1943 fast vollständig zerstört, konnte erst wieder in den 50er Jahren über einen Neubau nachgedacht werden. Aus den zunächst angedachten 4 Manualen und über 70 Registern wurden dann 1961 drei Manuale und 61 Register.

Der damalige Kantor

Bernhard Ader schuf zusammen mit der Firma Romanus Seifert / Kevelaer aus den Resten der alten Orgel und vielen neuen Registern ein homogenes Orgelwerk, das in Duisburg und über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung fand.
Jedoch schon Anfang der 70er Jahre wurden erste Klagen laut: altes Material aus dem Krieg war schadhaft, die elektronischen Bauteile waren unzuverlässig geworden und störanfällig, und auch der Geschmack hatte sich geändert. Es begann ein 30 Jahre dauerndes Ringen um die Ludgeriorgel. Mittlerweile hat sich jedoch auch wieder ein Verständnis der Organologen für die Instrumente aus dieser Zeit etabliert. So war es unser Hauptanliegen, die gewachsene Substanz zu retten. Retten, d.h. renovieren und restaurieren, nicht zuletzt auch Zerstörtes zu ersetzen.

Darüber hinaus

sollte in Anlehnung an die Orgel von 1940 der Prospekt der Orgel erneuert werden. Die mit Renovierungsarbeiten beauftragte Firma “ Orgelbau Romanus Seifert “ stellte uns für diesen Zweck zwei grosse Principal 16’ Register zur Verfügung. Die grossen Pfeifen mit der schönen blauen Bemalung sind nun in vorderster Reihe zu sehen und spiegeln gleichzeitig die Grösse und Farbigkeit der gesamten Orgel.

Eine weitere Ergänzung

ist das Register Untersatz 32’. Dieses Register lässt den Ton einer 10 m hohen Pfeife erklingen. Schon 1961 war der Einbau geplant gewesen, ist jedoch nie zur Ausführung gekommen. Nun wird es der Orgel, zusammen mit den beiden Registern Principal 16’ (einer für das Pedal und einer für das Hauptwerk) einen unglaublichen Schub im Tiefenbereich geben.

Alle anderen Register

wurden gereinigt und geringfügig neu intoniert. Mit Rat stand uns der Orgelsachverständige des Bistums Essen, Herr Werner Schepp, zur Seite. Viele zusätzliche Arbeiten hatte der Orgelumbau zur Folge. In nächtelanger Arbeit hat sich Herr Günther mit Kabel und Lötkolben beschäftigt. Der Emporenboden wurde gänzlich neu gemacht und mit Teppichboden versehen, und auch die Beleuchtung der gesamten Orgelempore musste erneuert werden, und, und, und...

Mit der Weihe

wird diese grossartige Orgel, mit ihren nun 64 Registern, die größte Orgel Duisburgs, wieder an die Gemeinde zurückgegeben. Wir danken allen, die an diesem grossem Werk mitgeholfen haben. Die grosse Orgel von St. Ludger:
Zur Freude der Gemeinde und zum Lobe GOTTES

Walter Dottermann 

Register und Manuale

1. Manual

HW

2. Manual

RP

 

 

 

 

Praestant

16’

Rohrgedeckt

8’

Bordun

16’

Quintade

8’

Principal

8’

Praestant

4’

Nachthorn, gedeckt

8’

Blockflöte

4’

Spitzgambe

8’

Octav

2’

Octave

4’

Spitzflöte

2’

Rohrflöte

4’

Quinte

1 1/3’

Nasat

2 2/3’

Nachthorn

1’

Principal

2’

Sesquialter

2f.

Waldflöte

2’

Scharff

4f.

Rauschpfeife

3f.

Dulcian

16’

Mixtur

5-6f.

Krummhorn

8’

Terzcymbel

3f.

 

 

Trompete

16’

 

 

Trompete

8’

 

 

Helltrompete

4’

 

 

 

 

 

 

Pedal

 

Schwellwerk

 

 

 

 

 

Untersatz

32’

Quintadena

16’

Principal

16’

Principal

8’

Kontrabass

16’

Holzflöte

8’

Subbass

16’

lieb. Gedeckt

8’

Quintade

16’

Weidenpfeife

8’

Quinte

10 2/3’

Octave

4’

Octavbass

8’

Gernshorn

4’

Bassflöte

8’

Metalflöte

4’

Choralbass

4’

Quinte

2 2/3’

Weitflöte

4’

Superoctave

2’

Bauernpfeife

2’

Spillflöte

2’

Hintersatz

6f.

Terz

1 3/5’

Contraposaune

32’

Sept

1 1/7’

Posaune

16’

Mixtur

4-5f.

Bombarde

16’

Octavcymbel

3f.

Trompete

8’

Fagott

16’

Choraltrompete

4’

Tuba

8’

 

 

Kopftrompete

8’

 

 

Regal

4’