Protest gegen Aufgabe der bischöflichen Gymnasien

Im Bistum Essen gibt es offenbar Überlegungen, die Trägerschaft am St. Hildegardis-Gymnasium und am Abtei-Gymnasium abzugeben. Bei Katholikenrat und BDKJ Duisburg regt sich Widerstand, ebenso in der Politik. Berichte der Duisburger Lokalpresse.


Gymnasien: Kritik an Bistumspolitik

Der Blick auf St. Hildegardis-Gymnasium im Dellviertel. Die Zukunft der katholischen Schule steht auf dem Prüfstand. Genaueres will das Bistum Essen derzeit noch nicht sagen. (RP-Foto: Andreas Probst)
Der Blick auf St. Hildegardis-Gymnasium im Dellviertel. Die Zukunft der katholischen Schule steht auf dem Prüfstand. Genaueres will das Bistum Essen derzeit noch nicht sagen. (RP-Foto: Andreas Probst)

Der Duisburger Katholikenrat und der Bund der Katholischen Jugend der Stadt protestieren gegen mögliche Pläne des Bistums Essen, die Trägerschaft für zwei bischöfliche Gymnasien aufzugeben.

Der Katholikenrat der Stadt Duisburg und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Duisburg setzen sich für den Verbleib der konfessionellen Schulen in katholischer Trägerschaft ein. Hintergrund sind bekannt gewordene Überlegungen im Bistum Essen, das Abtei-Gymnasium in Hamborn und das St.-Hildegardis-Gymnasium in der Stadtmitte aus seiner Trägerschaft zu entlassen. Der Duisburger BDKJ lehnt in seinem Protestschreiben die Pläne des Bistums Essen „entschieden ab, sich aus dem enorm wichtigen Feld der schulischen Bildung zurückzuziehen“.

„Als Vertreter der katholischen Kinder- und Jugendverbände in Duisburg sieht der BDKJ in den konfessionellen Schulen einen wichtigen Teil der Duisburger Schullandschaft mit wichtiger Kontaktfunktion zwischen christlichem Glauben und jungen Menschen“, heißt es in dem Schreiben, das von Nick Erichsen als Vorstandsmitglied des BDKJ unterzeichnet ist. Die in den beiden katholischen Gymnasien vermittelten Werte seien, so der Duisburger BDKJ, wichtiger Bestandteil der gesellschaftlichen Bildung. Mit ihren großen Schülerzahlen erreichten die katholischen Schulen weit mehr junge Menschen als viele andere kirchliche Institutionen. Die jungen Katholikenvertreter fordern, dass das Bistum Essen „seiner gesellschaftlichen Verantwortung in der Bildung nachkommt“. Nick Erichsen übt in seinem öffentlichen Schreiben sehr scharfe Kritik: „Die Haltung des Bistums Essen zu den katholischen Schulen ist aus unserer Sicht unverantwortlich!“

Fast zeitgleich erreichte am Montag ein offener Brief des Katholikenrates die RP-Redaktion. Adressiert ist er an den Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, an Generalvikar Klaus Pfeffer, an den Hauptabteilungsleiter Markus Potthoff und an den Schuldezernenten des Bistums Essen, Harald Gesing. Im dem Brief zeigt sich Daniel Wörmann, Vorsitzender des Duisburger Katholikenrats, „verwundert“ darüber, dass es von Seiten des Bistums gegenüber dem Duisburger Katholikenrat oder gegenüber den Pfarrgemeinderäten bisher keinerlei direkte Informationen über die Schulpläne des Bistums gibt. Er, Wörmann, gehe davon aus, dass es „nach der Sommerpause einen transparenten, intensiven Diskurs über den Sachverhalt gibt“. Auch hoffe er, dass eine mögliche Entscheidung in enger Abstimmung mit den handelnden Akteuren vor Ort getroffen wird.

Wörmann schreibt in seinem Brief, dass die beiden Duisburger Gymnasien sehr gut in die Duisburger Schullandschaft integriert seien und in der Stadt einen hervorragenden Ruf genießen. Angesichts steigender Schülerzahlen sei es gerade für ein „Sozialbistum“ wichtig, einen Bildungsauftrag zu übernehmen, sich für benachteiligte Schülerinnen und Schüler einzusetzen und als Kirche „ein sichtbares Zeichen für mehr gesellschaftliche Verantwortung zu setzen“. Auch sei die Präsenz eines kirchlich geprägten Gymnasiums gerade im Duisburger Norden wichtig.

Ein Sprecher des Bistums Essen sagte am Montag gegenüber dieser Zeitung, dass über die mögliche Aufgabe der bischöflichen Trägerschaft für die beiden Duisburger Gymnasien noch keine Entscheidung getroffen worden sei. Richtig sei aber, dass angesichts sinkender Kirchensteuereinnahmen in der absehbaren Zukunft alle Bereiche auf den Prüfstand kämen.

Daniel Wörmann ist gegenüber dieser Aussage misstrauisch. Seiner Kenntnis nach sind bereits Gespräche zwischen dem Bistum und der Stadt Duisburg, die die Trägerschaft des Abtei-Gymnasiums und des St.-Hildegardis-Gymnasiums übernehmen würden, gelaufen. Zwar gebe es wohl noch keine endgültige Entscheidung, doch sei es falsch, so lange zu schweigen, bis es kein Zurück mehr gebe. Wörmann verwies darauf, dass das Bistum Essen bei seiner Schul-Trägerschaft vom Staat kräftig unterstützt wird: So trage das Bistum nur rund zehn Prozent der Gesamtkosten der beiden Gymnasien, eine verkraftbare finanzielle Belastung.

(th)

(aus: rp-online.de, 07.08.18)


Duisburger Schulen auf dem Prüfstand: Kritik am Bistum Essen

Das Bistum Essen könnte sich vom Abtei- und St.-Hildegardis-Gymnasium (Bild) trennen. Das sorgte bei der CDU-Landtagsabgeordneten Petra Vogt für Unverständnis. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)
Das Bistum Essen könnte sich vom Abtei- und St.-Hildegardis-Gymnasium (Bild) trennen. Das sorgte bei der CDU-Landtagsabgeordneten Petra Vogt für Unverständnis. (WAZ-Foto: Stephan Eickershoff)

Bei der CDU-Landtagsabgeordneten Petra Vogt sorgen Gedanken des Bistums Essen für Unverständnis. Das überlegt Schul-Trägerschaften abzugeben.

Berichte, nach denen sich das Bistum Essen aus der Trägerschaft und Finanzierung des Abtei- und des St.-Hildegardis-Gymnasiums zurückziehen wollen, stoßen bei der Duisburger CDU-Landtagsabgeordneten Petra Vogt auf Unverständnis: „Das Bistum Essen steht nach wie vor in der Verantwortung für die konfessionellen Schulen im Ruhrgebiet. Das gilt insbesondere für das Abtei- und das Hildegardis-Gymnasium in Duisburg. Alle Schüler und Eltern haben bewusst diese beiden Gymnasien mit ihrer katholischen Grundausrichtung gewählt, weil sie auch besonderen Wert auf ihre religiöse, geistige Bildung und Haltung legen.“ Dass gelte auch für Eltern, die ihre Kinder in Zukunft auf den beiden Gymnasien in Hamborn und Stadtmitte anmelden wollten.

Moralische Verantwortung

Vogt, die im Vorstand der Landtagsfaktion für den Bildungsbereich verantwortlich ist, spricht Klartext: „Die katholische Kirche und damit auch das Bistum Essen werden nicht zuletzt durch Steuergelder finanziert. Daraus erwächst den Kirchen auch eine moralische Verantwortung, sich am Bildungsauftrag für Kinder und Jugendliche nachhaltig und flächendeckend zu beteiligen.“

Außerdem betont sie: „Der konfessionelle Zweig muss auch in Duisburg ein Grundpfeiler unseres Bildungswesens bleiben. Er ist ein lebendiger, funktionierender Teil unser pluralen Schullandschaft mit hoher Akzeptanz. Ein Rückzug des Bistums Essen wäre das falsche Signal.“

(aus: waz.de, 01.08.18)


Bilder und Inhalte stammen von: pfarrei-liebfrauen-duisburg.de. Beitrag vom 08.07.2018